Buchpremiere: Anthologie „Lohn des Mutes“

Eine neue Anthologie mit Texten schreibender Schüler wird

am 24. April um 15.00 Uhr

im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen zu Halle ihre Buchpremiere erleben.

Dieses Buch entstand im Ergebnis des letztjährigen Bödecker-Schreibaufrufes Unzensiert und unfrisiert, an dem sich 4.700 Schüler aller Altersstufen beteiligten. Die Gedichte, Geschichten, Berichte, Reportagen, Szenen, Sketche, Tagebücher wurden vor allem von Kindern und Jugendlichen aus Sachsen-Anhalt geschrieben, es gab jedoch auch Einsendungen aus anderen deutschen Bundesländern sowie aus den USA.

Im Buch mit dem Titel „Lohn des Mutes“, das von Eva Maria Kohl, Diana Kokot und Jürgen Jankofsky für den Friedrich-Bödecker-Kreis herausgegeben wird, sind ca. 330 Schüler mit ihren Texten vertreten, von denen etwa 130 zur Buchpremiere mit ihren Eltern, Freunden oder Lehrern auch anwesend sein werden. Das Programm gestalten Studierende des Instituts für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Diese Buchpremiere ist ein weiterer Höhepunkt im gemeinsamen Bemühen der Kooperationspartner Friedrich-Bödecker-Kreis/Franckesche Stiftungen/Institut für Schuldidaktik und Grundschulepädagogik, ein Zentrum für schreibende Kinder und Jugendliche in Halle zu schaffen.

Die Titelgeschichte dieser neuen Anthologie stammt von

Victoria Schuldes, 12 Jahre, Salzwedel

Der Lohn des Mutes

Es waren einmal ein Pferd, Lotte, und ein Schaf, Wolli, die lebten auf einem Bauernhof. Tagein, tagaus schliefen sie, fraßen, wieherten und mähten. Beide lebten glücklich, bis etwas Schreckliches geschah. Die Bäuerin und der Bauer beschlossen, beide zu schlachte. Das Schaf hörte es. Da lief es schnell zum Pferd und sagte: Sie wollen uns beide schlachten und dann aufessen! das Pferd konnte es kaum glauben. So viele Jahre hatte es dem Bauern treu geholfen, und nun sollten sie sterben. Beide hörten, wie der Bauer sagte: Ich rufe jetzt den Schlachter an und vereinbare einen Termin für morgen früh. Das Schaf Wolli flüsterte: Wir müssen abhauen. Morgen früh um fünf Uhr.

Am nächsten Tag um fünf Uhr machten sie sich auf den Weg. Der Bauer wunderte sich später am tag. Warum wieherte Lotte nicht, warum mähte Wolli nicht? Er ging zu seiner Frau und fragte diese: War der Schlachter schon da? Nein, warum?, antwortete die Frau. Weil man kein Tier hört. Die Frau entgegnete: Die schlafen noch! Die Bäuerin machte den Hausputz weiter, während dessen der Mann die Schweine fütterte.

Die Tiere jedoch waren schon lange unterwegs. Als sie an einer Wiese ankamen, blieben beide stehen. Lotte und Wolli waren so hungrig und grasten erst einmal ausgiebig. Danach konnte es endlich weitergehen.

Inzwischen suchte die Bäuerin die beiden Tiere, doch sie fand keins. Bald kam auch ihr Mann und sie suchten gemeinsam. Doch sie fanden die beiden einfach nicht. Als sie nicht mehr konnten und sich gerade setzen wollten, kam der Schlachter. Er fragte: Wo sind die Tiere? Der Bauer antwortete: Lotte und Wolli sind uns einfach abgehauen. Der Schlachter fühlte sich veräppelt und fuhr mit grimmiger Laune nach Hause.

Inzwischen war es schon dunkel geworden. Lotte und Wolli wollten sich gerade ein Plätzchen zum Schlafen suchen, da sahen sie ein Licht. Es gehörte zu einem Haus, wo ein altes Mütterchen wohnte. Das Pferd und das Schaf klopften an und fragten das Mütterchen, ob sie bei ihm schlafen dürften. Ja, sagte das Mütterchen, im Stall ist noch Platz, aber morgen müsst ihr weiterziehen. Die Tiere waren einverstanden.

Mitten in der Nacht wurden Lotte und Wolli von einem Geräusch wach. Sie gingen nachschauen und sahen, wie sich gerade ein Einbrecher an der Tür des Hauses zu schaffen machen wollte. Erst zitterten sie vor Angst, doch dann dachten sie an das alte Mütterchen. Sie nahmen allen Mut zusammen und hängten sich eine Decke über. Dann machten sie fürchterliche Geräusche, rissen die Tür auf und brüllten: Ho, ho, ich bin das Lotte-Wolli-Monster und werde dich jetzt fressen! Da erschrak der Einbrecher so sehr, dass er in die Hose machte und fortlief.

Von dem Krach war das Mütterchen wach geworden und hatte alles mit angesehen. Es war außer sich vor Freude, weil die Tiere es gerettet hatten. Ich habe es mir überlegt, sagte es, ihr dürft hier bleiben und mir Gesellschaft leisten. Da freuten sich die Tiere sehr, dass sie willkommen waren.

Von Wollis Schafwolle konnte das Mütterchen viele warme Socken stricken. Das Pferd zog den Wagen zum Markt, wo sie die Socken verkauften. Fortan lebten sie glücklich und zufrieden mit dem alten Mütterchen zusammen.

 


Kontakt:

Jürgen Jankofsky (Geschäftsführer FBK), FBK-Kontakt@t-online.de, 03461-811894

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

Archiv